
Gründungsgeschichte
Es gibt Tage, die einen Plan hinterlassen
Es gibt Tage, die man plant. Und es gibt Tage, die etwas in einem verändern. Der 14. Juni 2023 war beides. Ein längst gebuchter Urlaub in Südfrankreich. Und mittendrin der...
Es gibt Tage, die man plant. Und es gibt Tage, die etwas in einem verändern. Der 14. Juni 2023 war beides. Ein längst gebuchter Urlaub in Südfrankreich. Und mittendrin der Club des Cinglés du Mont-Ventoux – die Herausforderung, denselben Berg dreimal von drei verschiedenen Seiten an einem einzigen Tag zu fahren.
Auf dem Papier eine Schnapsidee. Am Ventoux selbst eine Frage der Ehre.
Was den Anfang gemacht hat, war größer als der Berg. Meine Mutter war wenige Monate zuvor gestorben, hatte mit Radsport nie etwas zu tun gehabt. Trotzdem war da, in den Monaten nach ihrem Tod, immer wieder dieses Gefühl: auf dem Rad war ich ihr näher als sonst irgendwo. Warum, kann ich bis heute nicht erklären. Für mich war es der Versuch, ihr über viele Höhenmeter hinweg nahe zu sein.
Und, wenn man ehrlich ist, war es auch der Wunsch, Teil des Club des Cinglés, dem Club der Verrückten, zu werden. Mitglied im Club des Cinglés wird man nicht durch eine Anmeldung. Man muss es sich verdienen.
Ein Jahr zuvor, eine andere Auffahrt
Wer den Mont Ventoux kennt, kennt den Moment kurz vor Chalet Reynard, wenn der Wald aufhört und die Mondlandschaft beginnt. Ich war ihn ein Jahr zuvor zum ersten Mal gefahren, mit meiner Frau. Andere Berge vergisst man. Dieser blieb.
Was den Ventoux schwierig macht, ist selten nur die Steigung. Es ist das Wetter, das sich innerhalb kürzester Zeit komplett drehen kann, und vor allem der Wind, der oben auf dem kahlen Gipfelplateau eine eigene Liga spielt.
Als der zweite Frankreich-Urlaub feststand, stand auch fest: diesmal dreimal.
Was man am Gipfel erlebt, wenn man ihn dreimal sieht
Beim ersten Mal oben hatte der Kiosk noch nicht geöffnet. Nur ich, meine Frau, die mich bei der ersten Auffahrt begleitet hatte, und ein weiterer Verrückter standen um halb sieben auf dem Gipfel. Beim zweiten Mal war der Kiosk offen, und schon beim Vorlegen der Stempelkarte war klar, worum es ging: Wer diese Karte dabei hat, will den Berg dreimal fahren, an einem Tag. Der Besitzer wusste, was das bedeutet, und gab eine Cola aus, aus reiner Begeisterung darüber, dass es wieder so einen Verrückten gibt, der den Berg dreimal fährt. Im Tal wiederholte sich das Muster. Jede Stempelstation wurde zu einem kurzen Halt, ein paar Worte, ein weiterer Motivationsschub für die nächste Auffahrt. Motorradfahrer, die am Vormittag an einem vorbeigefahren waren, erkannten einen am Nachmittag wieder und feuerten von der Straße aus an, mit Hupen und erhobenem Daumen.
Der Berg blieb derselbe, nur das Bild und die Eindrücke veränderten sich mit jeder Seite.
Die dritte Auffahrt, das Gewitter
Bei der Abfahrt zur letzten der drei Auffahrten zog ein Gewitter auf, mit Regen, der die Sicht nahm und die Straße rutschig machte. Radfahrer, die bei der letzten Auffahrt entgegenkamen, rieten zur Umkehr, mehrfach und mit Nachdruck. Die Alternative wäre gewesen, kurz vor Schluss aufzugeben. Das kam nicht infrage.
Für den Fall der Fälle wartete meine Frau mit dem Auto in Reichweite. Gebraucht hat es das Auto nicht, aber sie war auf den letzten Kilometern noch einmal eine gute Motivation. Kurz danach klarte es auf, als hätte der Berg selbst entschieden, dass genug ist.
Von der Passstraße zur Idee
Der Gedanke kam nicht im Büro, sondern auf dem Rad, irgendwo zwischen zweiter und dritter Auffahrt: Was, wenn es diese Idee auch zuhause gäbe? Kein Mont Ventoux vor der Haustür, aber ein Sudelfeld, das sich für dieselbe Logik anbietet. Drei Seiten, ein Tag, dieselbe Frage an sich selbst.
Zwei Jahre brauchte es, aus dem Gedanken ein Konzept zu machen und aus dem Konzept eine Strecke. Herausgekommen ist Peak2Climb.
Die einzige Konkurrenz, die zählt
Was vom Ventoux geblieben ist, ist keine Bestzeit und kein Beweis gegenüber anderen. Geblieben ist die Erkenntnis, dass die interessanteste Frage bei einer Dreifach-Challenge nicht lautet, wie schnell man ist, sondern ob man weiterfährt. Nicht nur, wenn das Wetter dagegen spricht. Sondern auch dann, wenn der schwache Moment kommt, die Beine nicht mehr wollen und die ehrlichste Antwort auf die Frage, wie es einem geht, lautet: ich kann nicht mehr.
Peak2Climb überträgt genau diese Frage auf das Sudelfeld. Drei Auffahrten. Ein Berg. Ein Tag. Die einzige Konkurrenz, die zählt, sitzt im eigenen Sattel.
You vs. You.
You vs. You.